Am 15. März hat die Kirchengemeinde Haranni im Abendgottesdienst plusZeichen die Ausstellung „Feldwege zum Coming-out“ eröffnet. Sie stellt zwölf queere Personen vor, die in Interviews ihre Coming-out Geschichten erzählen. Wie und wann haben sie die eigene Identität entdeckt? Was führte zu der Entscheidung zum Coming-out? Wie hat das Umfeld reagiert?
In dem Gottesdienst kamen der bisexuelle Trans-Mann Miliano und die homosexuelle Yeliz per Tondokument zu Wort. Milianos Entscheidung zum Coming-out führte zum Bruch mit der konservativ-christlichen Familie. Auch seine Freunde hätten sich nach dem Coming-out von ihm abgewandt. Therapeutische Unterstützung und die Begleitung der LSBTIAQ*-Community hätten ihm den nötigen Halt gegeben, den Weg durchzuziehen. „Ich wollte einfach nur ich selbst sein“ – mit diesem Satz war eigentlich alles gesagt, zumal auch Yeliz damit ihre Motivation zum Coming-out auf den Punkt brachte. Zunächst hatte sie sich ihre Homosexualität selbst nicht eingestehen wollen. Heute ist sie verheiratet und wünscht sich einfach, dass es zur Normalität in der Gesellschaft wird, dass gleichgeschlechtliche Paare verheiratet sind. „Als ich gegenüber meinem Steuerberater ‚verheiratet‘ als Familienstand angab, sprach er selbstverständlich von meinem Mann“, sagte sie.
Erschreckend war es für die rund 30 Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes, dass sowohl Miliano als auch Yeliz angesichts des Rechtsrucks heute wieder mehr Angst haben, ihre Lebensform offen zu zeigen. Der Wunsch, angstfrei die eigene Identität leben zu können, äußerte eine queere Besucherin. Ein anderer erinnerte an die Schuldgeschichte von Kirche und Gesellschaft in Bezug auf den Umgang mit queeren Menschen und zeigte sich dankbar, dass eine solche Ausstellung heute in einer evangelischen Kirche stattfinden darf.
Die besondere Atmosphäre des Gottesdienstes wurde verstärkt durch besondere Musik: Maria Leunig, Paula Ratajczak, Tilmann Kornadt und Matthias Creutz bildeten das Cello-Quartett. Zusammen mit Bernhard Schwarz am Klavier spielte sie romantische Stücke von Adam Wellenreuther, David Popper du Georg Goltermann. Für ihr Spiel erhielten sie am Ende des Gottesdienstes dankbaren Applaus.
Die Ausstellung wird von der Gleichstellungsstelle der Evangelischen Kirche von Westfalen zur Verfügung gestellt. Sie ist noch bis zum 31. März in der Kreuzkirche zu sehen; Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie mittwochs und freitags von 10.30 bis 12.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Zum Rahmenprogramm der Ausstellung gehört am Donnerstag, 26. März, um 18 Uhr die Vorführung des Films „Mein Sohn Helen“ über eine transidente Jugendliche. Sie findet im LWL-Museum für Archäologie und Kultur am Europaplatz 1 in Herne, statt. Anschließend gibt es ein Nachgespräch mit Superintendentin Claudia Reifenberger und Christina Ernst, einer queeren Prädikantin aus der Lydia-Kirchengemeinde Dortmund. Auch zu der Filmvorführung ist der Eintritt frei. AR