Das Leben in unserer Gesellschaft hat sich immer stärker dahin entwickelt, dass wir alle zuerst für uns selbst sorgen und allein klarkommen können und sollen. Näher zusammenzurücken und Dinge des täglichen Lebens gemeinsam zu nutzen, fällt uns schwer. Es ist Teil unseres Wohlstandes, das Notwendige selbst zu besitzen. Wir empfinden es als Manko, auf andere angewiesen zu sein. Wir verlieren dabei die Fähigkeit, uns auf andere einzulassen, und sind immer mehr zu Einzelkämpfer*innen geworden.
Nehmen wir die ganze Schöpfung in den Blick, so sehen wir überall Symbiosen und das Angewiesensein auf Andere. Kein Lebewesen kann für sich überleben! Unsere Vorfahren wussten das sehr gut: Alles Leben ist Teil von empfindlichen Ökosystemen, einem Netz von gegenseitigen Abhängigkeiten. Das Bild, das der Apostel Paulus für die christliche Gemeinde verwendet, gilt für die ganze Schöpfung: Sie ist ein Körper, ein Organismus, und wir Menschen sind mittendrin. Nehmen wir uns auf diesem Planeten zu viel heraus, werden wir nicht reicher, sondern ärmer.
Wir können neu lernen: Zusammenleben zu können, ist ein Geschenk. Aufeinander angewiesen zu sein, ist wahrer Wohlstand. Miteinander zu leben und füreinander zu sorgen, ist Glück.
Auch in einer Welt, die den Wohlstand der Beziehungen geringschätzt, ist es uns möglich, den Weg des gemeinsamen Lebens zu wählen, wenn wir uns kleiner setzen und Wohnraum für Familien frei machen oder in Wohnprojekten und Wohngemeinschaften mit mehreren Generationen zusammenleben, wenn wir den Mitgeschöpfen wieder Wohn- und Lebensraum überlassen, wenn wir Dinge gemeinsam besitzen, wenn wir Zeit schenken und Zeitgeschenke dankbar annehmen.