Klimafasten – Woche 6: Glückselig. Liebevoll.

Klimafasten – Woche 6: Glückselig. Liebevoll.

In der Fastenzeit laden Kirchen Menschen zur ökumenischen Aktion „Klimafasten“ ein. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag stehen Klimaschutz und Gerechtigkeit im Zentrum einer Zeit der inneren Einkehr, des bewussten Lebens und des gemeinsamen Engagements. Der Beitrag zur fünften Fastenwoche kommt von Gina Wemper, Praktikantin in der Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne.

In dieser Woche geht es darum, mit allen Sinnen wahrzunehmen – offen, sinnlich und empfänglich zu sein. Mit eindrucksvollen Bildern wird die Schöpfung als Braut beschrieben. „Wie schön ist deine Liebe, meine Braut! Wie viel köstlicher ist deine Liebe als Wein und der Duft deiner Salben, als alle Balsamöle! Honig träufeln deine Lippen, meine Braut“ (Hohelied 4, 10-11).

Ich gehöre zu einer Generation, die in einer stark digitalisierten Welt aufgewachsen ist. Vieles läuft schnell, parallel und oft über Bildschirme. Gleichzeitig merke ich, wie sehr echte, sinnliche Erfahrungen fehlen können – der Geruch von frischer Luft, das bewusste Essen eines Stücks Obst, das Lauschen auf den Wind in den Bäumen oder einfach eine Umarmung im Einvernehmen.

Besonders angesprochen hat mich die Idee, dass der „liebevolle Blick die Weltsicht nachhaltig verändert“. Für mich steckt darin eine große Wahrheit: Wenn ich mein Umfeld liebevoll anschaue – Menschen, Natur oder andere Dinge – dann gehe ich automatisch achtsamer damit um.

Vielleicht beginnt Nachhaltigkeit nicht nur bei großen politischen Entscheidungen oder technischen Lösungen, sondern bei unserer eigenen Haltung. Wenn wir aktiv wahrnehmen, statt nur zu konsumieren; wenn wir genießen, statt nebenbei zu verbrauchen, dann verändert das auch unseren Umgang mit Ressourcen.

Die Impulse dieser Woche – langsam essen, bewusst riechen, lauschen, achtsam eine Mahlzeit einnehmen und Genuss teilen – zeigen mir: Klimafasten bedeutet nicht nur, CO2 zu sparen oder auf Dinge zu verzichten. Es bedeutet auch, wieder in Beziehung zu treten. Zu uns selbst, zu anderen und zur Schöpfung. Und vielleicht liegt gerade darin eine Kraft, die nachhaltig wirkt.

Das Hohelied beschreibt Sinnlichkeit, in der die Liebe zum Gegenüber sich weitet und zu einer achtsamen, liebevollen Haltung gegenüber der Umwelt wird. Ein solch liebevoller Blick kann unsere Sicht auf die Welt dauerhaft verändern.

Vielleicht können wir uns grade in unserem Arbeitsleben fragen, wie wir Sinnlichkeit und Achtsamkeit konkret leben können. Nicht als zusätzlichen Programmpunkt, sondern als Haltung: im Umgang miteinander, in Pausen, bei Besprechungen oder gemeinsamen Mahlzeiten. 

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