Syrisch-orthodoxes Leben im Ruhrgebiet

Syrisch-orthodoxes Leben im Ruhrgebiet

Herne. Fast vollzählig konnte die Vorsitzende Irmhild Hartmann die Bezirksfrauen am 2. Februar zum alljährlichen Bezirksfrauennachmittag des Stadtverbandes der Evangelischen Frauenhilfe Herne in der Dreifaltigkeitskirche am Regenkamp begrüßen. Der Streik des ÖPNV hatte die Damen nicht davon abgehalten, nach Herne-Süd zu kommen. Pfarrer Björn Knemeyer aus der Petrus-Kirchengemeinde, seit kurzem begleitender Theologe des Stadtverbands, führte in seiner Andacht Gedanken zur Jahreslosung aus. Die Vision aus der Offenbarung des Johannes – „Siehe, ich mache alles neu“ – sei nicht nur eine Vertröstung auf ein besseres Jenseits. Sie lade ein, selbst dazu beizutragen, die Zukunft besser zu machen. 

An das gemeinsame Kaffeetrinken schloss sich der Jahresbericht an. Die Vorsitzende ließ einige Themen und Aktivitäten des zurückliegenden Jahres Revue passieren. Sie informierte über die Wahl von Hannelore Sporberg als Beisitzerin zur Unterstützung des Vorstands, sowie über ein Perspektivgespräch mit drei Beauftragten aus Soest. Sie berichtete von der Verabschiedung der langjährigen Vorsitzenden Karin Stach in Soest und ihrer eigenen Wahl und Einsegnung als Vorsitzende des Stadtverbands Herne. 
Mit einer Schweigeminute gedachten die Versammelten der Verstorbenen Christel Gers, Helga Schmidt und Hildegard Nettingsmeier sowie des Laienpredigers und Frauenhilfsmitglieds Rüdiger Buschmann. Er war der Frauenhilfe sehr verbunden. Irmhild Hartmann dankte den Frauen für die viele ehrenamtlich geleistete Arbeit und ermutigte sie, weiterzumachen – trotz widriger Umstände und rückläufiger Zahlen. 

Referent des Nachmittags war der evangelische Theologe Jan Gehm, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg. Er sprach über altorientalische Kirchen und führte aus, dass in den Anfängen des Christentums die Patriarchate von Jerusalem, Antiochien und Konstantinopel zu den wichtigsten Zentren gehört hatten. Das Konzil von Chalcedon (451) habe einen Wendepunkt in der Kirchengeschichte markiert. Nicht alle Kirchen konnten die Beschlüsse mittragen; das führte zur Abspaltung einzelner Nationalkirchen. Diese Kirchen, die das Konzil nicht akzeptierten, werden als orientalisch-orthodoxe Kirchen bezeichnet. Zu ihnen zählen unter anderem die Koptische Kirche (Ägypten) sowie die Syrisch-Orthodoxe Kirche (Syrien, Türkei, Irak). In seinem Vortrag stellte Gehm seine Forschungen zum syrisch-orthodoxen Christentum in Europa vor. Mit den Gastarbeiterabkommen der 1960er Jahre hätten insbesondere syrisch-orthodoxe Christen eine neue Heimat in verschiedenen europäischen Ländern gefunden. Schon bald seien Bischofssitze in den Niederlanden, in Schweden und in Deutschland entstanden. Der Referent berichtete vor allem über die Entstehung der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde in Wanne-Eickel/ Herne und ihre Aktivitäten. „Die Gemeinde nutzte von 1972 bis 1991 die katholische St.-Laurentius-Kirche mit“, sagte er. „Im Jahr 1991 konnte die syrisch-orthodoxe Gemeinde die ehemalige methodistische Kirche an der Deutschen Straße erwerben. Seitdem besteht die Syrisch-Orthodoxe Kirche Sankt Petrus und Paulus in Herne.“ Zu einem intensiven kirchlichen Leben gehören dort neben den Gottesdiensten auch die Kirchenschule und die Flüchtlingshilfe. Leider würden syrisch-orthodoxe Christen – abgesehen von der kreiskirchlichen Ebene – in der Öffentlichkeit immer noch wenig wahrgenommen. Gehm ermutigte ausdrücklich, auf die Gemeinde zuzugehen und sich in persönlichen Begegnungen auszutauschen. Eine solche Begegnung ist bereits in Planung. 

Nach weiteren Hinweisen und Einladungen endete die Veranstaltung mit Vaterunser und Segen. BB

  • Herner Bezirksfrauen nahmen in der Dreifaltigkeitskirche die ökumenische Verbundenheit mit orthodoxen Christen in den Blick.
  • Leiterin Irmhild Hartmann erstattete als neue Stadtverbandsvorsitzende ihren ersten Jahresbericht. FOTOS: BASTERT

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