Jana Hansjürgen (Landesfachstelle blick*), Superintendentin Claudia Reifenberger, Nicole Richter, Gleichstellungsbeauftragte der EKvW und Pfarrer Thorsten Maruschke stellten die Ausstellung "Feldwege zum Coming out" vor.

Vorurteile hinterfragen und Perspektiven wechseln

Die Ausstellung „Feldwege zum Coming-out“ in der Herner Kreuzkirche präsentierte queere Lebensgeschichten. Im Archäologiemuseum gab es den Film „Mein Sohn Helen“ und ein Nachgespräch.

Vom 15. bis zum 31. März war in der Herner Kreuzkirche am Europaplatz die Ausstellung „Feldwege zum Coming-out“ der Landesfachstelle blick* zu sehen. Sie wandert durch Kirchen und Gemeinden in Westfalen – Herne war die erste Station. Auf zwölf Roll-ups wurden queere Lebensgeschichten sicht- und hörbar und zeigten, wie vielfältig Erfahrungen von Identität, Glauben, Familie, Gemeinschaft und Zugehörigkeit sind – und welchen Herausforderungen queere Menschen begegnen. Anhand der persönlichen Biografien, Fotografien und Texten eröffneten ihre Geschichten Einblicke in individuelle Lebenswege. Die Ausstellung lud dazu ein, Perspektiven zu wechseln, Vorurteile zu hinterfragen und über ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Herner Pfarrer Thorsten Maruschke hatte durch das Queere Netzwerk der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) von der Ausstellung erfahren. Er hatte die Idee, sie nach Herne zu holen und mit einem queersensiblen Feiertag zu verbinden. „Die Ausstellung fand bewusst anlässlich des Transgender day of visibility am 31. März statt“, sagte er. „Dabei geht es darum, sichtbar zu machen, dass queere Menschen einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten.“ Maruschke erinnerte auch an die Schuldgeschichte von Gesellschaft und Kirche gegenüber queeren Menschen. „Diese Ausstellung zeigt, dass wir als Kirche alle Menschen darin unterstützen, die sein zu können, die sie sind – so wie Gott sie geschaffen hat.“ 

Superintendentin Claudia Reifenberger freute sich, dass die Wanderausstellung als erstes in Herne Station gemacht. Sie unterstrich, wie wichtig die Sichtbarkeit von queerem Leben in der Kirche ist. „Wenn wir ernst nehmen, dass Gott den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen hat, dann heißt das: Queere Menschen sind kein Fehler der Schöpfung Gottes, sondern genau so gewollt“, so Reifenberger. „Diese Ausstellung zeigt genau das.“

Entstanden ist die Ausstellung durch ein Kooperationsprojekt der Landesfachstelle blick* und des DemokratieBüros „Vielfalt lieben“ im Kreis Paderborn. Sie soll einen Einblick in verschiedene echte, queere Identitäten geben und die Kurven, Stolpersteine aber auch schönen Erlebnisse ihrer individuellen Wege zu sich selbst beleuchten. Jana Hansjürgen, Leiterin der Landesfachstelle blick* LSBTIQ* Strukturen im ländlichen Raum, begrüßte es ausdrücklich, dass die Ausstellung nun auch durch kirchliche Orte in Westfalen tourt. „Diese Ausstellung präsentiert mutige Personen, die Vorbilder für viele queere Menschen sein können.“

13 Ausstellungssets sind mittlerweile in Nordrhein-Westfalen unterwegs, die Evangelische Kirche von Westfalen hat eines davon erworben. Nicole Richter, Gleichstellungsbeauftragte der EKvW und Leiterin des Fachbereichs Frauen, Männer, Vielfalt im Institut für Kirche und Gesellschaft, sieht die Ausstellung als einen Baustein in der Umsetzung eines zukunftsweisenden Beschlusses. „Im Juni 2022 hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen den Beschluss gefasst, queersensibler zu werden – nach innen und nach außen.“, erläuterte sie. „Das bedeutet, Menschen bewusst in ihrer sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt zu sehen und wertzuschätzen. Als Evangelische Kirche von Westfalen setzen wir damit ein bewusstes Zeichen: Wir sind auf dem Weg – zu mehr Queer-Sensibilität und Gerechtigkeit. Wir bieten sicherere Räume für Austausch und Begegnung.“  
Weitere Informationen zur Arbeit von blick* und zu der Ausstellung gibt es unter www.blick-landesfachstelle.de. Hier sind auch alle Geschichten nachzuhören.

Am 26. März gab es im Kinosaal des LWL-Museums für Archäologie und Kultur gegenüber der Kreuzkirche im Rahmen eines Begleitprogramms eine Vorführung des Films „Mein Sohn Helen“. Darin geht es um einen Teenager, der nach einem zwölfmonatigen USA-Aufenthalt zu seinem Vater zurückkehrt und sich als trans outet. In einem Nachgespräch mit Superintendentin Claudia Reifenberger und Christina Ernst, einer queeren Prädikantin aus der Dortmunder Lydia-Gemeinde, ging es im Anschluss um die Frage „Wie lebt es sich als Trans*Person in der Kirche?“ Christina Ernst erzählte, sie hab Glück gehabt mit ihrer Dortmunder Gemeinde, wo sie sie selbst sein könne. Hier werde sie als Presbyterin oder als Predigerin gesehen. „Dass ich trans bin, ist für die Gemeinde bis zur Langeweile uninteressant“, erzählte sie mit einem Lächeln. Superintendentin Reifenberger dankte Christina Ernst für ihre Geschichte. „Wir brauchen solche Geschichten, damit die Identität von Menschen überall in der Kirche bis zur Langeweile uninteressant ist“, sagte sie und erinnerte an den Umgang Jesu mit Ausgegrenzten, der gerade auf die zugegangen sei, die keinen Platz in der Gesellschaft hatten. Pfarrer Thorsten Maruschke, der das Nachgespräch moderierte freute sich mit allen Anwesenden zum Schluss über die Geschichte einer Besucherin, deren Kind zu Beginn der Konfirmandenzeit sein Geschlecht selbstbestimmt geändert hat. „In der Gruppe war er von Anfang an als Junge akzeptiert“, sagte sie. Die Konfirmation sei auch eine Namenssegnung und insofern ein Start in ein neues Leben gewesen. AR

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