Musikalische Einstimmung auf die Passion

Musikalische Einstimmung auf die Passion

Traditionellerweise gab es in der Herner Kreuzkirche am Karfreitag „Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz“ von Joseph Haydn

Herne. Am Karfreitag zur Todesstunde Jesu hat das Rhein-Herne-Quartett mit Gisela Röbbelen, Elisabeth Kronen (Violine), Barbara Ravenstein-Holländer (Viola) und Bernhard Schwarz (Violoncello) in der Kreuzkirche „Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz“ von Joseph Haydn aufgeführt. Der Komposition zugrunde liegt die so genannte „Tres Horas“, eine Zusammenstellung der letzten Worte des Gekreuzigten aus den Passionsgeschichten der vier Evangelien, gesprochen in den letzten drei Stunden auf Golgatha. Haydn, schon zu Lebzeiten in Spanien populär, hat für den Kompositionsauftrag aus Cadiz zunächst eine Orchesterfassung komponiert, später selbst wegen der hohen Nachfrage eine Fassung für Streichquartett und eine zur Aufführung als Oratorium angefertigt. 
Bei der Umsetzung seines Auftrags berücksichtigte Haydn die besonderen Möglichkeiten der Musik für Meditation und Textausdeutung. So komponierte er für jedes der sieben Jesu-Worte einen langsamen Satz, benutzte aber nur für die Sätze 1 („Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“), 4 und 7 („Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“) die Bezeichnung „Largo“, worunter sehr intensives Spielen verstanden wird, um die Besonderheit von Jesu Gebet herauszustellen. Das Getrenntsein von Gott, das so erschütternd in Jesu viertem Wort zum Ausdruck kommt („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“), verdeutlicht er mit dem Dreiertakt, der im Unterschied zum Vierertakt die Unvollkommenheit ausdrückt. Und im 3. Satz („Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“) wählte er die himmlische Tonart E-Dur als Hinweis auf das Paradies.
Was nur zu hören ist, wenn der Text wie früher auf Lateinisch verlesen wird, ist die sich an der Sprache orientierende Motivik Haydns, mit der die sieben Sätze durchzogen sind. In jedem Satz hat der Komponist Rhythmus und Sprachmelodie des zugrundeliegenden lateinischen Wortes in musikalische Motive umgesetzt, sodass sich alle sieben Sätze trotz des einheitlichen Tempos voneinander unterscheiden. Als letztes Musikstück nach Jesu Tod ertönte ein erschütterndes Erdbeben („Terremoto“), nachdem der Vorhang des Tempels zerrissen (Matthäus 27, 51-53).
Vor jedem der sieben Sätze hat Pfarrerin Melanie Jansen (Kreuzkirche) die sieben Bibelstellen zu den verschiedenen Sätzen verlesen. Die Musik ermöglichte eine innere Auseinandersetzung mit dem Kreuzigungsgeschehen. Es war insofern eine gelungene Einstimmung auf das Passionsgeschehen und den Karfreitag.

  • Das Rhein-Herne-Quartett mit (von links) Gisela Röbbelen, Elisabeth Kronen (Violine), Barbara Ravenstein-Holländer (Viola) und Bernhard Schwarz (Violoncello) während der Aufführung der „7 Worte“ in der Kreuzkirche. FOTO: GÜNTER MYDLAK

 

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